Sieg im Derby

Der Coach der BG Olpe/Siegen konnte es kaum in Worte fassen, was sich da in den vierzig Minuten reiner Spielzeit vor seinen Augen abspielte. Immer wieder tigerte Trainer Daniel Baethcke am Spielfeldrand auf und ab, gab Anweisungen, während Co-Trainer Daniel Klein in den Auszeiten analysierte und für taktische Hinweise zuständig war. Mit 101:89 (51:43) rangen die Black Flyz die Gäste der Baskets Lüdenscheid nieder – und das hatte vor allem rein punktemäßig Jeremiah Sparks zu verantworten, ohne die Leistung seiner Mitspieler zu vernachlässigen.

 

„Es war eine Wahnsinnsvorstellung von Jeremiah“, war Daniel Baethcke noch immer nahezu fassungslos über die 63 Punkte, die der US-Amerikaner erzielte, Vereinsrekord. Lüdenscheid konnte Sparks nie in den Griff kriegen, er konnte machen, was er wollte – und traf und traf und traf. „Dunkings, Wahnsinnskorbleger, akrobatische Sachen. Er war nicht annähernd zu bremsen, das war absolut zweitligareif“, schwärmte Baethcke, der wahrlich schon viel in seiner Basketball-Vita erlebte und meist sehr stolz war, dass sich die zweistellig Scorerquote auf viele Schultern verteilte.

 

Das schaffte an diesem Abend mit 14 Punkten nur noch Tala Fam Thiam. Phillip Becker, mit viel Defensivarbeit belastet, erzielte immerhin noch neun Punkte. Und dass jeder Punkt eminent wichtig war, zeigen die 89 Punkte für Lüdenscheid. Es war knapper als im Vorfeld vielleicht erwartet. Daran kann auch der siebte dreistellige Erfolg nichts ändern. Symptomatisch: Wenige Sekunden vor Schluss traf, natürlich, Sparks mit einem Dreier. Wieder einmal dreistellig.

 

„Es war ein Arbeitssieg“, wollte der BG-Coach auch nichts schönreden bei aller Euphorie, „wir kamen nie richtig in einen Flow. Ich hatte nie das Gefühl, das Spiel läuft supergut.“ Baethcke sah das Spiel auch als ein Zeichen an seine Jungs. „Wir müssen weiter hart arbeiten, dürfen niemanden unterschätzen. Wir haben noch fünf Spiele, sind immer noch Zweiter. Aber…“ Und vollendet den Satz nicht weiter.

 

Wenn es am kommenden Samstag zum Vorletzten BBA Hagen 2 geht, müssen die BG-Korbjäger einen weiteren Ausfall kompensieren. Nach dem Abgang von Bilal Atli in die Erste Liga im Libanon hat sich der starke 22-jährige US-Boy Jack Shannon in Dortmund eine schwere Schulterverletzung zugezogen, die wohl nur durch einen chirurgischen Eingriff behoben werden kann. Damit stehen zwei wichtige Center bis zum Saisonende nicht mehr zur Verfügung. Die Verantwortung liegt jetzt vor allem auf Tresor Nsianbandoki. „Tresor hat heute mit vielen Blocks und Rebounds seine Qualitäten bewiesen. Er kann diese Position effektiv spielen.“

 

 

Statistik: Phillip Becker (9), Alexander Gerzen, Marcel Weiß (2), Tresor Nsianbandoki (1), Tala Fam Thiam (14), Bendix Kinkel (2), Damir Kasun (3), Eleksandr Budiuk (5), Patrik Frackiewicz (2), Jeremiah Sparks (63).